Har Har Mahadev, oder auf bayrisch "Reiss di zam!"
Am 14. Oktober stehen Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am Gipfel des Granitgiganten im Kashmir. Sie sind das 4. Team welches diesen Berg über eine spektakuläre Linie besteigen durfte. Ihr Ziel war die bisher noch undurchstiegene zentrale Nordwestwand des Cerro Kishtwar.
15 November 2017
Klettern in Mehrseillängenrouten
Sperre in der Kashmir Region
1992 versuchten die beiden Engländer Andy Perkins und Brendan Murphy diese Wand zu durchsteigen. Nach 17 Tagen mussten sie 100 Meter unter dem Gipfel erschöpft aufgeben. Ein Jahr später kletterten die Engländer Mick Fowler und Steve Sustad über eine Eisrampe im linken Teil dieser Wand in eine Scharte auf etwa 5600 Meter, wechselte dann auf die etwas flachere Ostseite des Berges und erreichten als erstes Team den Gipfel. Im Anschluss wurden die Berge im Kashmir aus militärischen und politischen Gründen über Jahre für ausländische Bergsteiger gesperrt. Anfang 2010 wurde die Sperre aufgehoben und Stephan Siegrist, Denis Burdet und David Lama waren 2011 die erste Expedition in dieser Bergregion. Ihr Ziel, im Alpinstil den Cerro Kishtwar zu besteigen. Über eine Eisspur auf der Nordwestseite, rechts neben der markanten Granitwand erreichten sie als 2. Team den Gipfel. 2015 kletterten Hyden Kennedy, Marco Prezelj, Manu Pellisier und Urban Novak im Alpinstil über die Ostwand den Granitturm und erhielten dafür den Piolet d`Or.
Spindrifts und extreme Kälte
Am 7. September startete das Dreierteam ihr Abenteuer im Kashmir Himalya. Am 13. September erreichten sie das Basislager. Bestes Wetter gönnte dem Team keine Pause und sie konnten bereits am 18. September das ABC Lager auf 5050 Meter etablieren. Nach mehreren Materialtransporten und Vorbereitungen stieg das Team am 1. Oktober in die Wand ein. Ihren Plan, die Wand in 5 Tagen zu durchsteigen, konnten sie nicht einhalten. Aus taktischen Gründen brachen sie ihren ersten Durchsteigungsversuch ab und kehrten ins Basislager zurück. Mit neuer Kraft und mentaler Einstellung waren sie am 8. Oktober wieder zurück, mitten im Abenteuer! Das Wetter, war stabil. Morgens wolkenlos, Mittags aufziehende Bewölkung, Nachmittags Schneefall. Das Team hatte mit vereisten Rissen, Spindrifts und extremer Kälte bis zu -20° zu kämpfen, dazu wurde harte Technokletterei bis A3+ gefordert. Am Gipfeltag, dem 14. Oktober wurden sie dafür mit einem sonnigen Tag belohnt: Wir haben fast das Gefühl, dass wir nicht alleine sind und werden heute für all das, was wir durchgemacht haben, mit einem einzigartigen Moment belohnt. Wir gehen die letzten Meter gemeinsam und können es kaum glauben. 500 Meter über uns ziehen Schleierwolken im Jetstream und wir stehen hier in der Sonne und bei Windstille. Wir wissen alle, dass wir es nur schaffen konnten, weil wir uns als mutige Gemeinschaft gefühlt haben! „Har-Har Mahadev“, so wird unsere Route durch die Nordwestwand des Cerro Kishtwar heißen. Dieser Slogan stammt aus der hinduistischen Mythologie und ist dem Gott Lord Shiva gewidmet: „steigere die moralischen Werte, damit du die Angst überwindest um gefährliche Situationen zu meistern“! Oder auf boarisch: „Reiss di zam!“
Weiche Facts:
Das Team fixierte teilweise den ersten Teil der Wand und etablierte das Camp 1 am „Snowledge“, am Fuße der Granitwand auf 5450 Meter. Bei ihrem ersten Versuch erreichten sie die 7. Seillänge nach 3 Tagen. Ihr zweiter Versuch startet gleich im Anschluss am 8. Oktober. 7 Tage später erreichten sie den Gipfel. Insgesamt verbrachte das Team 10 Tage in der Wand. Sie etablierten 4 Camps: Camp 1 “Snowledge”, Camp 2 “Happyledge”, Camp 3 “Sunnyledge”, Camp 4 “Kempinski”.
Harte Facts:
Erster Durchstieg der zentralen Nordwestwand durch Stephan Siegrist, Julian Zanker und Thomas Huber am 14. Oktober 2017.
Routenname: „Har Har Mahadev“ aus der hinduistischen Mythologie was nicht weniger heißt als: „Mit moralischen Werten überwindest du die Angst, um gefährliche Situationen zu meistern“!
Schwierigkeiten: Grade VII, A3+,6b, M6, 80°
Erster Teil: 400 Meter Eis und Mixed
Zweiter Teil: 600 Meter Fels und Mixed, 24 Seillängen.
Stände zum Teil mit Bohrhaken ausgestattet
Bohrlöcher in den Seillängen: 8 Bathooks und 7 Rivits
Material: 15 Birdbeaks verschiedener Größen, 4 Babyangel, 6 Lost Arrows, 4 Messerhaken, Stopper, Doppelter Satz Cams bis Nr. 4
Portaledge erforderlich.
Abstieg: Abseilen über die Route
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